Segeln: Susann Beucke über Freiheit, Mut und und den eigenen Kurs

Susann Beucke

Bild: Felix Diemer

Vor vier Jahren habe ich mir einen meiner Herzenswünsche erfüllt und mit dem Segeln angefangen. Mittlerweile ist daraus ein Hobby geworden, das von April bis Oktober mein Leben maßgeblich bestimmt. Dank Helly Hansen hatte ich letztes Jahr das große Glück, beim Start des Ocean Race in Kiel dabei sein zu dürfen – ein Erlebnis, das meine Leidenschaft für das Segeln noch weiter verstärkt hat.

Während dieses Events habe ich Susann Beucke, zweifache Europameisterin und Olympia-Silbermedaillengewinnerin bei den Olympischen Spielen 2021 in Tokio, im Rahmen eines exklusiven Helly-Hansen-Dinners kennengelernt. Später nutzte ich die Gelegenheit für ein persönliches Interview, in dem wir über ihren Weg an die Spitze des Segelsports, Gleichberechtigung und die Zukunft von Frauen im Segeln gesprochen haben.

BD: Wann hast du das erste Mal gespürt, dass das Segeln mehr als nur ein Hobby für dich ist – vielleicht sogar eine Berufung?

SB: Das Segeln war nie einfach nur ein Hobby für mich. Auf dem Boot meiner Familie habe ich durch das Segeln früh gelernt, wie sich Freiheit anfühlt – und irgendwann hatte ich dann den Wunsch, dass dieses Gefühl, dieser Sport immer in meinem Leben bleibt. Da war ich circa 12 Jahre alt.

BD: Gab es in deiner frühen Karriere weibliche Vorbilder im Segelsport, oder musstest du dir deinen eigenen Weg komplett selbst bahnen?

SB: Vorbilder waren rar, zumindest solche, die mir gezeigt haben: Dieser Weg ist auch für dich möglich. Geschichten wie die von Ellen MacArthur haben in mir ein Feuer entfacht, weil sie gezeigt haben, dass man Grenzen verschieben kann – auch gegen Widerstände. Vieles musste ich mir trotzdem selbst erarbeiten, Schritt für Schritt. Aber genau das hat mich geprägt und stärker gemacht.

BD: Hast du jemals daran gedacht, das Handtuch zu werfen – und wenn ja, was hat dich weitermachen lassen?

SB: Es gab schon viele Momente, in denen ich auch mal etwas anderes ausprobiert habe. Wenn du andauernd einen Misserfolg erlebst, zweifelst du an dir. Aber ich bin immer wieder zurück zum Segeln gekommen und habe einfach weitergemacht.

BD: Welche Klischees begegnen dir als Frau im Hochleistungssegeln am häufigsten – und wie gehst du damit um?

SB: In meiner Welt gibt es viele alte Männer mit weißen Haaren, die das Sagen haben. Ich kann nicht eine ganze Generation über einen Kamm scheren, aber ich erlebe häufig in diesen Situationen, dass ein leicht väterliches Verhalten und somit eine Dysbalance in der Beziehung zueinander eintritt. Dies äußert sich dann in der Sprache und darin, dass mir ungefragt die Meinung gesagt wird.

BD: Hast du das Gefühl, dass du dich als Frau im Segeln mehr beweisen musst als männliche Kollegen?

SB: Es gibt Situationen, in denen man das Gefühl hat, genauer beobachtet zu werden. Aber ich sehe das nicht als Bürde, sondern als Chance. Jeder zusätzliche Beweis ist auch eine zusätzliche Möglichkeit, Grenzen zu verschieben – für mich und für die, die nach mir kommen. Am Ende entsteht daraus Sichtbarkeit, und die ist entscheidend für echten Wandel.

Susann Beucke_Helly Hansen

Bild: Alban Scolan

BD: Wie verändert sich das Zusammenspiel in einem gemischten oder rein weiblichen Team auf See? Gibt es Unterschiede zu reinen Männercrews?

SB: Ein Team funktioniert nicht über Geschlecht, sondern über Vertrauen, ein klar definiertes Ziel und Kommunikation. Unterschiedliche Perspektiven machen ein Team stärker – das habe ich immer wieder erlebt. Wenn jede Rolle klar ist und jede Stimme gehört wird, entsteht eine Dynamik, die weit über individuelle Leistung hinausgeht. Genau dort beginnt echte Stärke.

BD: Gibt es eine besondere Herausforderung auf See, die du glaubst, Frauen mit einer eigenen Herangehensweise lösen?

SB: Ich glaube weniger an „männlich“ oder „weiblich“ im klassischen Sinne, sondern an unterschiedliche Herangehensweisen. Oft liegt Stärke darin, Situationen ganzheitlich zu betrachten – Technik, Gefühl und Intuition zu verbinden. Gerade auf dem Ozean, wo nichts planbar ist, wird diese Kombination zu einem echten Vorteil.

BD: Was würdest du einem jungen Mädchen sagen, das davon träumt, Profiseglerin zu werden, sich aber nicht traut?

SB: Wichtig ist nur, dass du losgehst und dranbleibst, auch wenn es unbequem wird. Der Wind dreht sich nicht für dich – aber du kannst lernen, ihn für dich zu nutzen.

BD: Was würdest du (älteren) Frauen sagen, die davon träumen, mit dem Segeln zu starten, aber sich nicht trauen?

SB: Segeln ist kein Altersthema, sondern eine Frage von Neugier, Neues zu lernen, und dem Mut, es umzusetzen und weiterzumachen, auch wenn mal etwas schiefgeht. Das Meer bewertet dich nicht nach deinem Lebenslauf – sondern danach, wie du mit ihm umgehst. Und das kann man jederzeit lernen.

Susann Beucke_Frauensegeln

Bild: Felix Diemer

BD: Du hast dich öffentlich für mehr Frauen im Segelsport stark gemacht – was braucht es konkret, um diesen Wandel wirklich voranzubringen?

SB: Es braucht Sichtbarkeit, Zugang und echte Chancen. Vor allem aber braucht es Strukturen, die Frauen nicht nur mitdenken, sondern aktiv fördern.
Bisher beruht der Erfolg der Frauen, die es geschafft haben, auf dem extrem starken Eigenengagement der Seglerinnen. Es gibt bisher kein nachhaltiges System, weil Sportlerinnen bisher einfach noch weniger sichtbar sind.

BD: Wenn du ein Mentorenprogramm für junge Seglerinnen starten würdest – was wäre dein erster Ratschlag an deine Mentees?

SB: Lernt, Verantwortung für euren eigenen Weg zu übernehmen. Niemand wird euch den perfekten Plan liefern. Aber ihr könnt euch die richtigen Menschen suchen, von ihnen lernen und euren eigenen Kurs entwickeln. Und vor allem: Habt keine Angst vor Fehlern – sie sind Teil jeder Reise.

BD: Was wäre für dich das ultimative Zeichen, dass Frauen im Segeln wirklich gleichgestellt sind?

SB: Wenn wir aufhören, darüber zu sprechen. Wenn es selbstverständlich ist, dass Frauen an der Startlinie stehen – in jeder Klasse, auf jedem Level. Und wenn Leistung allein der Maßstab ist, nicht die Geschichte dahinter.

BD: Wo siehst du dich selbst in zehn Jahren – auf dem Wasser, hinter den Kulissen oder ganz woanders?

SB: Das Meer wird immer ein Teil von mir sein. Vielleicht nicht mehr in derselben Rolle, aber mit derselben Intensität. Ich sehe mich auch darin, Wissen weiterzugeben, Strukturen zu verändern und neue Wege zu öffnen – für die nächste Generation.

BD: Was ist ein Tabuthema im Frauen-Segelsport, das endlich offen angesprochen werden sollte?

SB: Dass Chancen oft nicht an Talent, sondern an Zugang und Finanzierung scheitern. Viele Wege enden nicht, weil der Wille fehlt, sondern weil die Ressourcen fehlen. Wenn wir darüber offen sprechen, können wir anfangen, Lösungen zu bauen – und genau das ist der nächste logische Schritt.

BD: Liebe Susann, herzlichen Dank für dieses inspirierende Gespräch. Deine Leidenschaft für das Segeln, dein Durchhaltevermögen und dein Einsatz für mehr Frauen im Segelsport machen Mut, den eigenen Kurs zu verfolgen – auf dem Wasser und im Leben!

Dieser Beitrag enthält werbliche Inhalte in Form von Markenerwähnung und Verlinkungen.



Veröffentlicht am
23. Juni 2026



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