Im Gespräch mit Iris Wagner, Parfümerie Schuback

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Werbung // In Tradition denken, das ist das Motto, auf dessen Basis der Erfolg der familiengeführten Parfümeriekette Schuback aufgebaut ist. Mit Iris Wagner traf ich mich zu einem Gespräch in Lübeck über die Branche, die Herausforderung, Frau, Mutter und Geschäftsfrau zu sein, und darüber, wie man sein Rentenalter genießt.

BeautyDelicious: Liebe Frau Wagner, wie häufig wurden Sie auch nach Ihrer Heirat vor vielen Jahren mit Schuback angesprochen?

Iris Wagner: Sehr häufig. Ich höre heute noch auf den Namen Schuback. *lacht laut*
Mein Mann und ich haben acht Jahre lang in Süddeutschland gelebt und als wir wieder nach Lübeck kamen, wo ich aus meiner Schulzeit, aus dem Tanzkurs, aus dem Geschäft u.ä. viele Menschen kannte, und nicht jeder wusste, dass ich inzwischen verheiratet war und Wagner hieß, wurde ich sehr lange Zeit als Frau Schuback angesprochen. Wobei ich froh war, dass ich Wagner hieß, um nicht mehr so im Rampenlicht zu stehen.

BeautyDelicious: Wie war es für Ihren Mann in dieser Zeit, als er immer wieder mit dem Namen Schuback konfrontiert wurde?

Iris Wagner: Das hat meinen Mann nicht gestört. Der hat das von Anfang an locker genommen. Alles andere wäre auch problematisch geworden.

BeautyDelicious: Wie lange sind Sie mit Ihrem Mann verheiratet? Und kommt er auch aus Lübeck?

Iris Wagner: Wir sind jetzt 45 Jahre verheiratet. Nein, mein Mann kommt aus Bayern. Wir haben uns bei Freunden in Ascona kennengelernt. Wir haben dann drei Jahre in Augsburg und fünf Jahre in Göppingen gelebt. Mein Mann hat dort als Banker gearbeitet. Dann ging es darum, dass mein Mann versetzt werden sollte. Zur gleichen Zeit riefen meine Eltern an und fragten, ob wir das Unternehmen nicht übernehmen wollen. Mein Mann war sofort von der Idee angetan. Wir haben uns dann trotzdem zwei Wochen Zeit gelassen, um letztlich den Entschluss zu fassen, wieder nach Lübeck zu ziehen. Und diesen Schritt haben wir nie bereut.

BeautyDelicious: Es stand also nie von Anfang an fest, dass Sie die Nachfolge im Unternehmen antreten werden?

Iris Wagner: Nein. Wir hatten unser Leben in Süddeutschland aufgebaut und es war klar, dass wir dort bleiben werden. Aber wie so oft im Leben kommt es eben anders.

BeautyDelicious: Ist es aber nicht häufig in Familienunternehmen so, dass davon ausgegangen wird, dass die Kinder das Geschäft übernehmen?

Iris Wagner: Sehr häufig wird davon ausgegangen. Ich habe noch zwei Geschwister. Mein ältester Bruder wollte es gerne machen. Damals sind zu den Parfümerien gleichzeitig noch Drogeriemärkte entstanden. Mein Bruder hat den ersten in Lübeck eröffnet und in kürzester Zeit sehr stark expandiert, sodass er sich nicht noch parallel dazu um die Parfümerien kümmern konnte. Mein zweiter Bruder stand nicht zur Verfügung, da er in einer anderen Branche tätig ist.

BeautyDelicious: Dann standen Ihre Eltern damals vor dem Dilemma, dass niemand aus der Familie, der Bruder hatte ja schon welche, die Geschäfte übernehmen kann und sie ggf. verkaufen müssen?

Iris Wagner: Der Gedanke ist ihnen gar nicht gekommen. Sie waren fest davon überzeugt, dass ich aufgrund meiner Ausbildung als Drogistin im elterlichen Unternehmen die Nachfolge antreten würde. Verkauf stand nie zur Diskussion. Es musste auch schnell gehandelt werden, da mein Vater einen Herzinfarkt erlitten hatte und Zeit und Ruhe brauchte, um wieder zu genesen.

BeautyDelicious: Dieser Schritt stellte Sie ja nicht nur beruflich, sondern auch im Umgang mit den Eltern vor neue/alte Herausforderungen. Denn nun entstand ja wieder eine Eltern-Kind-Dynamik, die durch die Distanz vorher nicht zum Tragen kam.

Iris Wagner: Es war zu Anfang schon eine Herausforderung, weil wir in mein Elternhaus eingezogen sind. Sie bauten gerade, aber der Neubau war noch nicht fertiggestellt. Also lebten wir mit zwei kleinen Kindern und meinen Eltern ein halbes Jahr unter einem Dach. Aber wir haben einen sehr guten Familienzusammenhalt und da wir Kinder von den Eltern immer in das Geschäft miteinbezogen wurden, war das alles nicht fremd für mich, eben jetzt nur mit Familie. Und mein Mann hat sich auch schnell in das Geschäft reingearbeitet. Wenn man Lust auf etwas hat, dann gelingt einem so was auch.

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BeautyDelicious: War es selbstredend, dass Sie die Drogistenausbildung machen oder war es ein Herzenswunsch?

Iris Wagner: Es war kein Herzenswunsch. Früher war es selbstverständlich, dass man als Kind in ein Familienunternehmen nachfolgt. Ich habe das nicht hinterfragt. Aber die Entwicklung, die ich dadurch erlebt habe, bereue ich nicht und würde den Weg heute wieder gehen.

BeautyDelicious: Was wäre denn Ihr beruflicher Herzenswunsch gewesen?

Iris Wagner: Ich hätte sehr gerne etwas mit Reisen gemacht. Aber dazu habe ich dann heute Zeit.

BeautyDelicious: Als Sie die Ausbildung damals gemacht haben, war es eine reine Drogerie?

Iris Wagner: Ja. Als wir das Geschäft 1979 übernommen haben, waren es sechs reine Drogerien. Gegründet haben meine Eltern 1947 in einer Garage in Lübeck-Schlutup mit Läusepulver, Farben und Tapeten. Eben allem, was man damals so gebraucht hat. Mein Vater ist Kaufmann durch und durch, und hat viel gehandelt. Es waren damals aber auch andere Zeiten. Und dadurch haben sie bereits 1952 expandiert. 1956 haben sie das heutige Stammhaus in Lübeck übernommen. Damals hatten wir bereits einige Pflegedepots, aber in erster Linie waren es Drogerien. Dazu gab es noch ein Fotostudio und -labor unter dem Dach. Auch das gesamte Lager war in diesem Haus bis 1999. Als immer mehr Filialen dazu kamen, wurde es immer unübersichtlicher, ein Warenwirtschaftssystem gab es nicht und so haben wir ständig die Kartons hin- und hergetragen. Die Warenannahme war über eine Rutsche im Keller, wurde über den Fahrstuhl in den 1. Stock gefahren, ausgepackt, umgepackt, ausgezeichnet und von da aus gingen die Waren dann in die Filialen.

BeautyDelicious: Ihr Leben wurde durch die Übernahme ziemlich auf den Kopf gestellt. Zuerst Hausfrau und Mutter und dann noch dazu Geschäftsfrau.

Iris Wagner: Alles hat sich geändert. Um damals im Geschäft drin zu bleiben, habe ich ein Teil der Buchhaltung zu Hause gemacht. Das ist ideal, wenn man selbständig ist und sich die Zeit selbst einteilen kann. Mich hat es auch nicht gestört, nachts zu arbeiten. Wenn die Kinder im Bett waren, habe ich mich an den Schreibtisch gesetzt und die Gehaltsabrechnung für die damals 26 Mitarbeiter gemacht, wogegen wir heute 500 haben. Alles schriftlich, nur mit Taschenrechner und einem Lohnjournal und am Ende habe ich die Lohntüten fertig gemacht.

Ich wollte heile Welt und Familienleben und habe mich deshalb für diesen Weg entschieden, weil ich so unabhängig arbeiten konnte. Als die Kinder größer wurden, habe ich immer mehr Zeit gewonnen und diese genutzt, um mich mehr in das Unternehmen einzubringen. Ich habe zu der Buchhaltung noch die Filialbetreuung übernommen und wie meine Eltern darauf geachtet, meine Kinder mit einzubinden. Meine Mutter hatte damals, trotz Kindermädchen, wenig Zeit und wollte, dass wir trotzdem um sie herum sind. Als ich Kind war, habe ich zur Weihnachtszeit z.B. den Mitarbeitern geholfen und die Türen aufgehalten. Oder wir haben zu Hause Kerzen getaucht, weil mein Vater der Überzeugung war, dass wir den neusten Trends folgen müssen, und damals waren lilafarbene Weihnachtsbaumkerzen modern. Da hat er weiße Kerzen besorgt und wir haben sie in der Küche in Handarbeit umgefärbt. Unfälle waren dabei nicht ausgeschlossen!

Ich habe zum 12. Geburtstag ein Fahrrad geschenkt bekommen unter der Bedingung, dass ich damit Farben und Tapeten ausfahre. So habe ich die Vororte von Lübeck kennengelernt. Solche Dinge haben uns drei Kinder geprägt, und ich bin der Meinung, Arbeit hat Kindern noch nie geschadet. So haben wir es auch mit unseren Kindern gemacht und damit habe ich mir mehr Zeit verschafft, um mich um das Geschäft zu kümmern. Anfänglich hat mein Mann natürlich sehr viel übernommen, aber mit der Zeit hat jeder für sich seinen Bereich besetzt, er das Kaufmännische und ich Personal und Filialbetreuung.

BeautyDelicious: Wenn man beruflich so viel Zeit miteinander verbringt, sich abends auf dem Sofa noch über Geschäftliches austauscht, schafft man es noch, sich Privatzeit einzuräumen?

Iris Wagner: Ja, darauf muss man bewusst achten. Man merkt schon, wenn es mal wieder Zeit dafür ist. Es gibt natürlich Momente, in denen man keine Zeit für das Privatleben hat, besonders im Weihnachtsgeschäft. Das geht ja schon im November los. Aber wir haben es immer geschafft, uns kleine Auszeiten zu gönnen. Nichtsdestotrotz ist das Geschäft immer Gesprächsthema. So sind die Kinder auch schnell im Unternehmen gewesen, weil wir darauf Wert gelegt haben, die drei Mahlzeiten am Tag gemeinsam einzunehmen und da war es immer Gesprächsthema. Und je älter die Kinder wurden, desto mehr konnte man sie auch um Rat fragen.

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BeautyDelicious: Wie vollzog sich der Schritt von Drogerie zu Parfümerie?

Iris Wagner: Als wir 1979 das Unternehmen übernommen haben, gab es in der Königstraße schon zwei Kabinen und vier Pflegedepots. Alle anderen waren Drogerien. Es gab damals bereits 20 weitere Drogerien und fünf Parfümerien in Lübeck und wir wurden natürlich von unseren Kollegen nicht herzlich empfangen. Es war auch schwer, an die Pflegemarken heranzukommen, weil sie natürlich überall schon vertreten waren. Aber durch viel Fleiß und Hartnäckigkeit bei den Lieferanten sind wir die Einzigen, die inzwischen übrig geblieben sind. Wir haben Drogerien geschlossen und an anderen Standorten dafür Parfümerien aufgemacht.

Das war ein Dorn in den Augen unserer Mitbewerber. Wir haben sehr wohl überlegt, wo wir Filialen eröffnen und haben uns dann auch für Vororte bzw. kleine Städte wie Travemünde und Oldenburg entschieden. Der Prozess hat etwa sieben Jahre gedauert.
So erfolgreich wir mit der Expansion waren, es gab auch schwere Zeiten. Wenn man ein Unternehmen umstrukturiert, dann kommen auch finanzielle Unwegsamkeiten auf einen zu. Dann muss man sich genau überlegen, ob man sich z.B. diese Werbung leisten kann. Das darf man nie aus den Augen verlieren.

Es gibt auch Nächte, in denen man nachts im Bett liegt, Existenzängste durchlebt und sich fragt, wie Rechnungen bezahlt werden sollen und man sich der Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern noch mehr bewusst wird. Es ist dann natürlich in solchen Momenten eine Stütze, wenn man als Ehepaar so gut zusammenarbeitet, wie wir es getan haben und uns immer wieder gegenseitig versichert haben, dass wir das Richtige tun und an uns glauben. Der Umschwung von Drogerie zu Parfümerie war schon schwierig. Aber wenn ich ehrlich bin, vermisse ich die Drogerie nicht. Mittlerweile haben wir 60 Parfümerien, geclustert in Lifestyle, Premium, Exklusiv und Luxus mit 500 Mitarbeitern. Sehr beruhigend ist, dass unser Sohn, freiwillig, nun eingestiegen ist und wir nun wissen, dass es weitergeht. Wir tragen auch nicht mehr alleine die Verantwortung, die trägt er jetzt. Wir haben dazu auch eine Geschäftsführerin eingestellt, da wir zwar noch im Unternehmen tätig sind, aber nicht mehr so viel wie früher.

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BeautyDelicious: 2013 gab es für Schuback eine große Veränderung. Was ist passiert?

Iris Wagner: Wir haben ein Unternehmen von einem Kollegen übernommen mit 20 Geschäften. Das war bundesweit die größte Übernahme eines privaten Parfümerieunternehmens. Wir haben uns damals verdoppelt, von 20 auf 40 Filialen. Das war eine Herausforderung, da es ja auch nicht in unserer Umgebung war. Der Sitz des Unternehmens war in Niedersachsen. Da haben wir uns manchmal gefragt, ob wir das schaffen. Aber es war ein interessantes Unternehmen.

Mit dem Eigentümer hatten wir über Jahre zusammengearbeitet, waren gemeinsam auf Messen und hatten dadurch schon ein Gefühl, wie das Unternehmen tickt, wie sie mit den Mitarbeitern umgehen. Das war für uns sehr wichtig und dass die Unternehmensphilosophie stimmt. Für die Entscheidung haben wir uns dieses Mal lange Zeit genommen, weil es natürlich auch einen Rattenschwanz mit sich bringt. Was machen wir mit der Logistik, wie bekommen die Geschäfte ihre Ware etc. Im Grunde waren es zwei Unternehmen und die mussten zu einem zusammengeführt werden. Danach haben wir kleinere Unternehmen übernommen mit zwei bis drei Filialen und im letzten Jahr Geschäfte von einem Kollegen in Baden-Württemberg.

BeautyDelicious: Wo sehen Sie den USP von Schuback gegenüber Douglas?

Iris Wagner: Meine Mutter hat von jeher auf Dienstleistung gesetzt und genau das verfolgen wir bis heute. Bis auf einige Parfümerien, bieten wir unseren Kunden Kosmetikkabinen mit hochwertigen Behandlungen an. Das ist unser großer Vorteil gegenüber Douglas und dem Onlinehandel. Bei uns kann sich der Kunde mit Luxus-Behandlungen verwöhnen lassen oder, um intensivere Ergebnisse zu erzielen, für die apparative Kosmetik wie Jet Peel oder Mikrodermabrasion entscheiden. Auf der Fläche selbst bieten wir zudem Dienstleistungen an wie Nasenwaxing und Augenbrauenstyling. Ein weiterer Punkt, der für uns spricht, ist, dass wir sehr gut ausgebildete Mitarbeiter haben. Wir schulen viel und halten jeden, vom Auszubildenden bis zur Filialleitung, auf dem neuesten Stand. Besonderes Augenmerk legen wir auf die Auszubildenden, da wir bestrebt sind, sie zu übernehmen. Deshalb werden sie schon von Beginn an auf den Dienstleistungsgedanken eingeschworen, und es ist eine Freude zu sehen, wie sehr sie sich einbringen und mit welcher Freude sie arbeiten.

Was das Warensortiment betrifft, so ist es standortbezogen, deshalb ist es auch unterschiedlich. Dazu haben wir auch viele Nischenmarken, die Douglas nicht anbietet und mittlerweile kommen Lieferanten von sich auf uns zu, weil es sich für sie lohnt, aufgrund unserer Größe mit uns zusammenzuarbeiten. Wir sind auf Messen in Paris, Amsterdam, Mailand und Bologna, um zu sehen, was sich auf dem Markt tut. So sind wir immer auf dem neuesten Stand und spüren neue Trends auf. Wir legen auch sehr großen Wert auf Beratung, sei es im Pflegebereich, wie mit dem Hautanalysegerät, oder bei Düften. Worauf wir sehr stolz sind, ist der hohe Stammkundenanteil. Unsere Kunden fühlen sich gut aufgehoben in unserer familiären Atmosphäre – als Gast und nicht als Kunde. Bei uns machen die Kunden eine Reise durch die Parfümerie und wir verkaufen den Traum von bezahlbarem Luxus, für jede und jeden.

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BeautyDelicious: Das Naturkosmetiksegment wächst stetig. Wie reagiert Schuback darauf?

Iris Wagner: Wir haben seit Jahren Naturkosmetik im Programm mit Marken wie Braukmann, Börlind, Dr. Hauschka, M4, Declare, Rivoli und Bare Minerals. Wir haben es nur nicht groß beworben, sondern kommunizieren es im Gespräch mit den Kunden. Standortbezogen werden wir das Sortiment ausbauen, weil die Nachfrage danach dort wächst und es mittlerweile auch Marken im Luxusbereich gibt mit hocheffektiven Wirkstoffen.

BeautyDelicious: Welche Produkte werden immer gekauft, egal wie schlecht die Wirtschaftslage ist?

Iris Wagner:
Definitiv Make-up! Vor allem Lippenstift. Und Düfte, weil man sich damit verwöhnt und sich etwas Gutes tut. Düfte sind etwas für die Seele und sie wecken Erinnerungen. Da kommt mir die Geschichte in den Sinn, als ich mit 13 am Blinddarm operiert wurde und mir meine Mutter Eau de Lancôme mit ins Krankenhaus gebracht hat. Wenn ich diese Art von Frische heute rieche, denke ich an dieses Erlebnis zurück.

BeautyDelicious: Welchen Tipp haben Sie für jemanden, der sich heute in der Parfümbranche selbstständig machen möchte?

Iris Wagner: Sich in der heutigen Zeit mit einer Parfümerie selbstständig zu machen, ist nur möglich, wenn man einen immensen finanziellen Background hat. Da man Prestigemarken anbieten muss, um in diesem Business ernst genommen zu werden. Dazu viel Energie, Durchhaltevermögen, Mut und keine Ablenkungen wie Familie. Mit zwei bis drei Geschäften kann man heute leider nicht wirklich existieren. So eine Geschichte wie bei meinen Eltern, die aus der Garage heraus angefangen haben, ist heute kaum noch möglich.

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BeautyDelicious: Was spricht für den stationären Parfümeriehandel gegenüber dem Onlinehandel?

Iris Wagner: Unsere Branche ist eine sehr emotionale. Da geht es um riechen, fühlen, schmecken. Das ist etwas, das der Onlinehandel nicht bieten kann. Wir können im direkten Dialog auf den Kunden eingehen, ihn probieren lassen, ihn beraten und ihn begeistern. Nur so können wir bestehen. Der Onlinehandel wächst, die Parfümeriebranche stagniert bzw. weist nur ein leichtes Plus auf. Da muss man sich etwas einfallen lassen. Dreh- und Angelpunkt sind nicht nur das Sortiment, sondern die Menschen. Natürlich haben wir auch einen Onlineshop, aber unser Fokus liegt auf dem stationären Handel. Und dort erreichen wir auch durch unser großes Make-up-Sortiment die onlineaffine Zielgruppe unter 40. Wir bieten ihnen Make-up-Schulungen an und auch Teenie-Schminkkurse, die von unseren Auszubildenden geleitet werden. Wir können uns nicht nur auf die ältere Kundschaft verlassen und müssen uns immer wieder etwas Neues einfallen lassen.

BeautyDelicious: Drogerien wie Budni bieten vermehrt Pflege und Düfte an. Sind das Konkurrenten für Parfümerien?

Iris Wagner:
Nein, weil sie nur einen kleinen Bereich unseres Sortimentes anbieten und das in Selbstbedienung ohne wirkliche Beratung.

BeautyDelicious: Wo geht die Reise hin im Beautybereich?

Iris Wagner: Allgemein stagniert es in der Branche. Wobei es beim Make-up Zuwachs gibt, da immer schneller Neuigkeiten lanciert werden und Frauen sich mehr schminken. Prestigemarken haben hingegen zu kämpfen, aber als Parfümerie braucht man Prestigemarken, um glaubhaft und kompetent zu sein. Dadurch wächst bei uns das Sortiment und das ist eine Herausforderung für den Einkauf, um sich nicht zu verzetteln. Die Branche wird schnelllebiger und wir haben fast täglich Neuheiten auf dem Tisch in der Pflege und vor allem im Duftbereich.

Da die richtigen Produkte herauszufinden, erfordert ein gutes Gespür für die Zielgruppe. Es wird für Firmen immer wichtiger, Geschichten erzählen zu können, um das Interesse der Kunden zu wecken und sie zu überzeugen. Was es immer geben wird, sind High-End-Marken in der Pflege und es wird immer mehr Marken geben, die eine Unterspritzung aufschieben bzw. nicht mehr erforderlich machen. Haarpflege wurde in der Vergangenheit in den Parfümerien stiefmütterlich behandelt, inzwischen gibt es großartige Haarpflegemarken, weil Haare als etwas wahrgenommen werden, was genauso Pflege verdient wie das Gesicht.

Schuback

BeautyDelicious: Haben Sie Vorbilder, die Sie auf Ihrem Weg motiviert haben?

Iris Wagner: Ich habe keine Vorbilder. Ich habe meine Ziele vor Augen gehabt und die habe ich verfolgt.

BeautyDelicious: Man sagt, die erste Generation schafft Vermögen, die zweite verwaltet Vermögen, die dritte verkommt. Was tun Sie, damit das nicht passiert?

Iris Wagner: Wir erzählen unseren Enkelkindern viel aus unserer Zeit und was unsere Eltern und Großeltern erlebt und gelebt haben, dass es zum Beispiel kein Telefon gab, Heizung oder Strom. Um ihnen zu zeigen, dass nicht alles selbstverständlich ist, damit sie ein Gefühl für ihre Privilegien bekommen.

BeautyDelicious: Wo kommen Ihnen die besten Ideen?

Iris Wagner: Beim Schminken! Deshalb liegen immer ein Stift und ein Block neben meinem Make-up.

BeautyDelicious: Ihr ultimativer Beautytipp?

Iris Wagner: Pflege hört nicht im Gesicht auf, dazu gehören auch Hände und Dekolleté, sonst stimmt das Gesamtbild nicht. Und nie ohne Lippenstift.

BeautyDelicious: Jetzt, wo Sie weniger arbeiten, können Sie ja auch mehr reisen und Urlaub machen. Wie verbringen Sie Ihren Urlaub?

Iris Wagner: Wir wandern sehr gerne. Wir sind immer wandern gewesen, auch mit den Kindern. Die konnten noch nicht mal laufen, da waren wir schon mit ihnen in den Bergen. Das war eine tolle Entspannung. Unsere Kinder machen das jetzt mit ihren Familien. Wenn man sowas den Kindern positiv vorlebt, dann überträgt sich das auf den Nachwuchs. Und auch die Partner unserer Kinder können sich für das Wandern begeistern. Unsere Tochter hat schon die zweite Alpenüberquerung hinter sich und ist begeistert, weil es so viel mit einem macht.

BeautyDelicious: Ihr Herz schlägt also für das Meer und für die Berge?

Iris Wagner: Ja, ich mag beides. Die See haben wir vor der Tür und dort kann man ja auch wandern. Wir haben das Glück, dort zu leben, wo andere Urlaub machen. Besser kann man es nicht treffen. Wir haben das Radfahren für uns entdeckt und wie schön ist es, im Sommer am Wasser entlang zu fahren. Dazu machen wir zweimal im Jahr eine Radtour mit Freunden. Das letzte Mal sind wir von Bozen nach Venedig geradelt, allerdings mit dem E-Bike. Es ist so entspannend. Man hält an, trinkt einen Cappuccino, genießt die Gegend und lernt das Land kennen. Wir lieben die italienische Lebensweise. Dieses Jahr geht die Tour von Innsbruck nach Bozen, über den Reschenpass. Ich freue mich da schon sehr drauf. Diese Zeit ist so entspannend, weil es so locker zugeht, auch weil man sich nicht aufbrezelt und einfach mal sein kann.

BeautyDelicious: Viele fallen in ein Loch, wenn sie weniger arbeiten bzw. in Rente gehen. Wie bereiten Sie Sich darauf vor?

Iris Wagner: Wichtig ist es, sich im Vorfeld Gedanken darüber zu machen, was danach passiert, und dies muss richtig vorbereitet werden. Ich wollte in meiner Rente nicht nichts mehr machen. Die Welt steht mir offen und ich wollte mich geistig und körperlich fit halten. Deshalb verbessere ich jetzt meine Englischkenntnisse, ein Student schult mich im IT-Bereich weiter, weil mich das schon seit jeher interessiert. Ich kümmere mich endlich um die Fotobücher und ich mache regelmäßig Sport. Ein bis zwei Tage in der Woche sind die Enkelkinder da und wir sind viel auf Reisen, um Freunde und Verwandte zu besuchen. Ich genieße diese Freiheit, die ich nun habe, um selbstbestimmt den letzten Lebensabschnitt zu verbringen.

BeautyDelicious: Gibt es etwas, das Sie bereuen?

Iris Wagner: Ich bin mit meinem Leben so zufrieden, wie es sich entwickelt hat. Der Weg war für mich so vorbestimmt, ich bin ihn gegangen und ich bin ihn gern gegangen. Ich habe zwar Fehler gemacht, aber es gibt nichts, was ich bereue. Ich kann gut zurückblicken und ich bin mit mir im Reinen.

BeautyDelicious: Liebe Frau Wagner, vielen Dank für das inspirierende Gespräch.

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Bilder: Leila Ivarsson, / Historische Aufnahme: Schuhback

Outfits alle von Marina Rinaldi, Turban: Hèrmes



Veröffentlicht am
19. Februar 2019



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