Nostalgie in Flakons

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Nostalgie: eine sehnsuchtsvolle Hinwendung zu vergangenen Zeiten, Gegenständen oder Praktiken. Kann ich mich damit identifizieren? Definitiv. Woran man das bei mir erkennt? An so vielen Dingen. Sei es nun mein Faible für historische Filme und Romane, Antiquitäten, Kunst, Musik oder Gesten der Alten Schule. Aber ganz besonders daran, dass ich eine Vorliebe für die 1920/30er habe. Zeit, Euch Düfte aus dieser Zeit vorzustellen. Für den einen oder anderen werden sie gewöhnungsbedürftig sein. Aber ich verspreche Euch, wenn Ihr Euch darauf einlasst, wird sich Euch eine neue Welt erschließen.

Als ich angefangen habe, mich für alte Düfte zu interessieren, musste ich meinen Geruchssinn neu schulen. Oftmals zuckte ich in der Vergangenheit bei diesen Düften zurück, wenn ich sie das erste oder auch zweite Mal gerochen habe, weil sie mir zu schwer, zu altbacken waren. Dabei ist es nur die olfaktorische Opulenz, die ich nicht gewohnt war. Aber nach einer gewissen Zeit wusste ich diese Düfte zu schätzen. So auch Mitsouko von Guerlain aus dem Jahre 1919. Damals waren Japan und die fernöstliche Kultur gefragt. Guerlain huldigte mit seiner Kreation die Heldin aus dem damaligen Bestseller „La Bataille“: Mitsouko, eine wunderschöne Japanerin und verheiratete Frau, die heimlich einen britischen Offizier liebte. Zudem bedeutet Mitsouko „Geheimnis“ und ist ein Symbol für leidenschaftliche und geheimnisvolle Weiblichkeit. Kombiniert werden bei „Mitsouko“ Noten von Pfirsich mit Jasminblüten, Mairose, gewürzvolle Nuancen mit Unterholz und Vetivergras. Es ist kein Duft, der sich einem sofort erschließt. Er braucht Zeit, bis er seine wahre Schönheit entfaltet. Aber dann möchte man ihn nicht mehr missen. Eau de Parfum, 75 ml, ca. 120 Euro.

2007 feierte Arpège von Lanvin den achtzigsten Geburtstag. 1927 wurde er von Jeanne Lanvin für ihre Tochter Marguerite kreiert. Für sie war es eine Hommage an die Liebe einer Frau zu ihrem Kind und an die Warmherzigkeit einer solchen Beziehung. Für mich verkörpert Arpège eine nostalgische orientalische Eleganz, aber ohne diese Opulenz, die viele Europäer abschreckt. Der Duft öffnet mit frischen Noten aus Neroli, Bergamotte und Aldehyden. Danach entfalten sich langsam üppige blumige Noten aus Iris, Ylang-Ylang, Jasmin, Geranium, Rose und Maiglöckchen. Ergänzt wird dieses Bouquet durch würzige Nuancen aus Nelke und Koriander sowie Akkorde aus Vetiver, Sandelholz, Patchouli und Vanille. Art Déco Liebhaber werden den Flakon zu schätzen wissen. Er stammt von Armand-Albert Rateau, dem bekannten Möbel- und Interieurdesigner, der auch einige Immobilien von Jeanne Lanvin ausgestattet hat. Das Logo entwarf der französische Illustrator und Designer Paul Iribe, bekannt für seine Illustrationen für Paul Poiret. Eau de Parfum, 50 ml, ca. 65 Euro.

J.F. Schwarzlose wurde Euch bereits an anderer Stelle vorgestellt. 1856 gegründet, 1976 eingestellt und 2012 von Lutz Herrmann und Tamas Tagscherer wiederbelebt. Einer meiner Lieblingsdüfte aus der Kollektion ist Treffpunkt 8 Uhr. Es ist die Neuinterpretation des Parfumklassikers aus dem Berlin der 1920er Jahre. Damals ein erfolgreicher Herrenduft, wurde er aber auch von Frauen getragen, nachdem bekannt geworden war, dass Josephine Baker ihn zu ihren Lieblingsdüften zählte. Zu dem Zeitpunkt war das noch eine große Provokation. Heute ist es allerdings keine Seltenheit mehr, dass Frauen sich für Männerparfums entscheiden. „Treffpunkt 8 Uhr“ ist ein eigenwilliger Duft, dessen Beschreibung der Zusammensetzung charmant gewählt ist: die Anziehung: Mango Duft Akkord & Frischer Ingwer, der Thrill: Salbei & Herbstzeitlose, die verführerische Herkunft: Vetiver Herz. Diesen Duft trage ich übrigens auch, wenn ich keine Verabredung um 8 Uhr habe. Eau de Parfum, 50ml, ca. 125 Euro.

Fleur de Rocaille von Caron Paris ist meine persönliche Geheimwaffe, wenn das Gemüt Erheiterung benötigt. Schon nach dem ersten Spritzer versprüht der Duft Leichtigkeit, gute Laune und Eleganz. Für mich das perfekte Parfum für den Tag. Gerade bei so einem tristen Wetter wie jetzt. Er wurde 1933 lanciert und 1993 überarbeitet. Auch nach dem Relaunch vereint der Duft weiterhin viele kostbare Blumennuancen. In der Kopfnote: Gardenien und Veilchen. In der Herznote entfalten sich Maiglöckchen, Iris, Jasmin, Ylang-Ylang, Rose, Mimose und Flieder. Die Basis von Fleur de Rocaille bilden Noten von Sandelholz, Zedernholz und Amber. Eau de Toilette, 50 ml, ca. 75 Euro.

Bereit für rauschende Feste im Stil der Roaring Twenties mit wildem Jazz und viel Dry Gin? Dann ist Juniper Sling von Penhaligon‘s der passende Duft für Euch. Der London Dry Gin, die Spirituose der 20er Jahre London‘s, war Inspirationsquelle für Parfumeur Olivier Cresp für diesen frischen Duftcocktail. Gin, frischer Wacholder, Engelwurz und Brandy, schwarzer Pfeffer, Kardamom, Leder und Iriswurzeln sorgen, sobald der Duft in die Nase steigt, bei mir dafür, dass ich Lust auf den einen oder anderen Drink bekomme. Und natürlich auf Charleston und Swing. Noten aus braunem Zucker, schwarzen Kirschen, Bernstein und Vetivergras geben dem Duft dazu noch eine sinnliche Basis. Eau de Toilette, 50 ml, 120 Euro.

Tapete von Farrow & Ball aus der Brocade Serie, True Colour Vase von andtradition



Veröffentlicht am
27. Januar 2016



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