Inhaltsstoffe – was ist drin im Tiegel?

Bilder: Leila Ivarsson

Werbung // Wenn es um Inhaltsstoffe in Lebensmitteln geht, scheint es, dass die Menschen heute so aufgeklärt sind wie nie zuvor. Denn wie man so schön sagt: Man ist, was man isst! Da wird über Gluten, künstliche Geschmacksverstärker, Zuckerersatzstoffe, Low-Carb, High-Fat, Rohkost, Palio etc. leidenschaftlich gefachsimpelt, dass es manchmal extremistische Züge annimmt. Man muss sich nur mal auf Facebook oder Instagram die Kommentarspalten durchlesen, wenn es um das Thema Veganismus geht. Da stehen sich die Pro- und Kontra-Parteien gegenüber und verlieren von Zeit zu Zeit jedes Maß an Respekt voreinander. Man könnte meinen, Essen sei die neue Religion! 😉

Diese Leidenschaft und diesen Wissensdurst würde ich mir auch sehr beim Thema Inhaltsstoffe in Kosmetika wünschen. Wobei ich auf den Extremismus verzichten kann. Was mir oftmals fehlt, ist ein breites Bewusstsein dafür, was man sich täglich in die Haut massiert. Dabei ist es für den Verbraucher nicht hilfreich, wenn plötzlich bestimmte Inhaltsstoffe medial als gesundheitsschädlich verschrien werden, obwohl Fachleute und Behörden zu ganz anderen Erkenntnissen kommen.

Aber sind diese einmal als No-Go in der Öffentlichkeit verschrien, ist es schwer, das wieder rückgängig zu machen. Es bleibt in den Köpfen der Verbraucher hängen, dass Stoff XY nicht gut ist. Wenn man aber mal nachfragt, was denn nun gegen den Inhaltsstoff spricht, können viele das nicht mal begründen. Da gibt es diffuse Antworten à la man hat eben gehört, dass Stoff XY schlecht für die Gesundheit sei. Oder es wird dann generell konventionelle Kosmetik abgelehnt und nur noch auf Naturkosmetik gesetzt, weil plötzlich alles andere schlecht ist. Dabei ist Naturkosmetik nicht für jeden geeignet, da es Menschen gibt, die z. B. auf ätherische Öle empfindlich reagieren. Genauso wie es eben Menschen gibt, deren Haut auf chemische Substanzen reagiert. Aber bevor man sich gegen/für etwas entscheidet, bin ich sehr dafür, dass man sich die Zeit nimmt, sich eigenständig zu dem Thema zu informieren. Denn Halbwissen bringt einen nicht weiter, und sich nur darauf zu verlassen, was man mal gehört hat, bedeutet seine Eigenständigkeit aufzugeben. Dadurch wird man leicht manipulierbar.

Für mich gilt bei dem Thema Inhaltsstoffe und Natur-/konventionelle Kosmetik: sowohl als auch und davon das Beste. Ich liebe Naturkosmetik, genauso gibt es konventionelle Produkte, auf die ich nicht verzichten möchte.

Nun ist es nicht einfach, sich in dem Inhaltsstoff-Dschungel zurechtzufinden, da nicht jeder Chemie oder Biologie studiert hat, um die INCI-Liste (International Nomenclature Cosmetic of Ingredients) zu verstehen. Deshalb habe ich Euch einmal zehn gängige Inhaltsstoffe und deren Verwendung aufgelistet, um in das Thema einzusteigen.

„Wissen, was drin ist!“

1. Q10
Coenzym Q10 (INCI: Ubiquinone) ist einer der wichtigsten Wirkstoffe gegen Falten in der Kosmetik. Q10 ist für den menschlichen Körper essenziell, da der Stoff als zentraler Bestandteil des Energiestoffwechsels in den Zellen wirkt. Bei diesem Prozess wird die Energie aus der Nahrung in körpereigene Energie umgewandelt, die die Zellen für ihre Lebensvorgänge benötigen. Außerdem wirkt das Coenzym Q10 als Antioxidans. Es hilft dabei, freie Radikale abzufangen und auf diese Weise mögliche Zellschäden zu verhindern. Entsteht ein Mangel an Q10, altert die Haut und es entstehen Falten. Dies wird im zunehmenden Alter sichtbar, wenn der Coenzym-Q10-Gehalt in den Hautzellen abnimmt. In Produkten wie Augencremes, Haut- und Gesichtscremes sowie pflegenden Masken wird der Wirkstoff gerne als Anti-Aging-Wirkstoff verwendet.

2.Arganöl
Arganöl (INCI: Argania spinosa kernel oil, Hydrogenated argania spinosa kernel oil) ist ein sehr wertvolles Öl, das aus den Samen des Arganbaumes gewonnen wird. Die Argannuss enthält nur ca. zwei bis drei Samen in der Größe eines Sonnenblumenkerns, sodass die Herstellung sehr aufwendig ist. Es werden ca. 30 kg geerntete Früchte benötigt, um einen Liter Arganöl zu erhalten. Das Öl wird sowohl als Lebens- und Heilmittel als auch in der Kosmetik eingesetzt. Hier wird es insbesondere aufgrund seiner pflegenden Eigenschaften in der Haar- und Hautpflege geschätzt. Neben dem reinen Öl gibt es mittlerweile eine Vielzahl von Kosmetikprodukten, die Arganöl als Bestandteil beinhalten. Arganöl enthält eine Vielzahl an ungesättigten Fettsäuren, wie zum Beispiel Linolsäure. Es hilft dabei, die Haut vor Feuchtigkeitsverlust zu schützen und die Hautelastizität zu stärken. Zudem werden dem Öl entzündungshemmende Eigenschaften zugesprochen, weswegen es auch bei schuppiger, trockener und zu Irritationen neigender Haut gerne eingesetzt wird. Darüber hinaus besitzt Arganöl eine hohe Konzentration an Antioxidantien wie z. B. Vitamin E. In Haarpflegemitteln beugt das Öl Haarbruch vor und sorgt für einen schönen Glanz sowie gute Kämmbarkeit.

3. Urea
Harnstoff (INCI:cUrea) ist ein natürlicher Bestandteil der Haut und als Feuchtigkeitsspender sowohl in der konventionellen Kosmetik als auch in der Naturkosmetik beliebt. Da Urea in der Lage ist, Wasser zu binden, ist es vor allem in Pflegeprodukten wie Cremes gegen trockene Haut enthalten. Das macht die Haut glatt und geschmeidig. Je nachdem, in welcher Konzentration Urea in einem Produkt vorkommt, weist der Stoff auch antimikrobielle und juckreizlindernde Eigenschaften auf. Im menschlichen Körper ist Harnstoff ein Endprodukt des Eiweißstoffwechsels und wird im sogenannten Harnstoffzyklus produziert und u. a. über den Urin ausgeschieden. Aus Reinheitsgründen wird der in kosmetischen Produkten eingesetzte Harnstoff nicht aus tierischen oder pflanzlichen Quellen hergestellt, sondern in Verbindung mit hohen Temperaturen und Druck aus Kohlendioxid und Ammoniak.

4. Hyaluronsäure
Hyaluronsäure (INCI: Hyaluronic Acid) kommt natürlich im menschlichen Körper vor und ist ein wichtiger Bestandteil verschiedener Gewebe, wie beispielsweise der Haut und des Bindegewebes. Hyaluronsäure sorgt für eine weiche und glatte Haut, da sie Wasser gut binden kann. Mit zunehmendem Alter bildet der Körper jedoch deutlich weniger Hyaluronsäure, weswegen die Haut an Elastizität verliert und Falten bildet. Um diesem Prozess entgegenzuwirken, wird Hyaluronsäure gerne als Anti-Aging-Wirkstoff in Produkten wie Augencremes, Haut- und Gesichtscremes sowie pflegenden Masken verwendet. In diesen Produkten hat Hyaluronsäure die Aufgabe, Feuchtigkeit in der Haut zu bewahren, indem sie Wasser in der obersten Zellschicht bindet. Sichtbare Zeichen der Hautalterung können so gemildert werden.

5. Parabene
Parabene (INCI: als Wortbestandteil Paraben) werden in ca. 80 % aller kosmetischen Mittel zur Konservierung eingesetzt. Sie gehören zu den am häufigsten eingesetzten Konservierungsstoffen und haben sich bislang als gut verträglich bewiesen. Konservierungsstoffe schützen kosmetische Produkte vor dem mikrobiellen Verderb und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit der Verbraucher. Insbesondere wenn ein kosmetisches Produkt Wasser enthält, sind Konservierungsstoffe notwendig. Denn in Wasser können sich Mikroorganismen ansiedeln und vermehren. Kosmetika enthalten oft nicht nur einen Konservierungsstoff, sondern einen Mix aus mehreren Konservierungsmitteln, um gleichzeitig gegen verschiedene Bakterien, Hefen oder Schimmelpilze zu wirken. Jeder einzelne von diesen Stoffen wird unabhängig geprüft, damit die Verwendung in einem kosmetischen Produkt sicher und verträglich ist. Die Hersteller setzen immer nur die geringstmögliche Konzentration in einem Produkt ein, damit eine optimale Haltbarkeit und die bedenkenlose Anwendung gewährleistet ist.

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6. Natriumlaurylsulfat
Bei Natriumlaurylsulfat (INCI: Sodium Lauryn Sulfate) handelt es sich um ein Tensid. Tenside sind sogenannte waschaktive Substanzen und haben in der Kosmetik eine große Bedeutung bei der Reinigung der Haut und Haare. Tenside (von lat. „tensus“ = gespannt) sind Stoffe, die durch ihre molekulare Struktur in der Lage sind, die Oberflächenspannung einer Flüssigkeit herabzusetzen. So gelingt es, dass zwei eigentlich nicht miteinander mischbare Flüssigkeiten, wie zum Beispiel Öl und Wasser, fein vermengt werden können. Aufgrund ihrer Eigenschaften werden Tenside sehr vielseitig in der Kosmetik eingesetzt: Sie können säubern, Schaum erzeugen sowie als Emulgatoren wirken und Stoffe miteinander vermischen. In Shampoos, Duschgels und Seifen werden Tenside beispielsweise verwendet, um Fett- und Schmutzpartikel mit Wasser vom Körper abzuwaschen. Auch in Zahncremes finden Tenside Verwendung. Hier fördern sie während des Zähneputzens die schnelle und vollständige Auflösung sowie die Verteilung der Paste im Mund.

Die in kosmetischen Produkten eingesetzten Tenside werden vorwiegend synthetisch auf Basis pflanzlicher Rohstoffe hergestellt und sind mild und umweltverträglich. Tenside werden häufig in Kombination eingesetzt, da ein Tensid allein oft nicht alle gewünschten Anforderungen erfüllen kann.

7. Fruchtsäuren
Fruchtsäuren (INCI: z. B. Citric Acid oder Oxalic Acid) werden in kosmetischen Produkten und Anwendungen immer beliebter. Sie bewirken, dass Schüppchen und raue Stellen verschwinden, die Haut glatter wird und feine Linien und Fältchen gemindert werden. In höheren Konzentrationen lösen Fruchtsäuren die Verbindungen der vermehrt angesammelten, abgestorbenen Hautzellen der Hornschicht und fördern damit deren Abstoßung. Die natürliche Zellneubildung wird indirekt gefördert und unterstützt sowie die Elastizität der Haut verbessert. Bei öliger Haut beugen Fruchtsäuren der Bildung von Mitessern und Hautunreinheiten vor. So wird die Hautbeschaffenheit insgesamt verfeinert, die Haut wirkt klarer und frischer. Fruchtsäuren werden einigen Cremes in geringen Konzentrationen zugesetzt. Sie werden zum Beispiel aus Zitronen, Weintrauben oder Äpfeln gewonnen oder synthetisch hergestellt. Der Einsatz von Fruchtsäuren sollte genau auf die Hautbeschaffenheit abgestimmt sein. So kann zum Beispiel empfindliche Haut gereizt reagieren und auch ein zu häufiges Anwenden hoch konzentrierter Produkte verträgt nicht jede Haut. Deshalb sind die heute am Markt erhältlichen Produkte in der Konzentration der Wirkstoffe bzw. in der Einstellung des pH-Wertes besonders sorgfältig ausgewählt. Nach der Anwendung der höher konzentrierten Fruchtsäure-Produkte ist ein Sonnenschutz wichtig. Ein entsprechender Hinweis ist auf den Produkten zu finden.

8. Panthenol
D-Panthenol (INCI: Panthenol) ist die Vorstufe eines B-Vitamins und wird auch als Provitamin B5 bezeichnet. Das Provitamin ist sehr gut hautverträglich, besitzt feuchtigkeitserhaltende, hautberuhigende sowie regenerative Eigenschaften. Darüber hinaus unterstützt der Stoff die Schutzbarrierefunktion der Haut und verbessert ihre Elastizität. Panthenol wird gerne in pflegenden kosmetischen Produkten verwendet, wie z. B. Cremes, Lotionen, Lippenpflegeprodukten, Sonnenschutz und Haarpflegeprodukten. In Haarpflegeprodukten hilft Panthenol dabei, die Feuchtigkeitsbalance zu regenerieren und das Haar zu stärken. Und auch für Produkte für empfindliche Haut ist Panthenol aufgrund seiner Eigenschaften gut geeignet. Da Panthenol auch die Zellneubildung der Haut bei Verletzungen fördert, wird es auch in medizinischen Cremes beispielsweise zur Behandlung von Sonnenbrand und kleinen Verletzungen verwendet: Hautrötungen klingen ab und Juckreiz wird vermindert.

9. Titandioxid
Titandioxid (INCI: Titanium Dioxide) legt sich als schützender Film auf die oberste Hautschicht und streut und absorbiert die UV-Strahlen der Sonne. Auf diese Weise wird die Haut vor UV-Strahlung und ihren gesundheitsschädlichen Folgen (Sonnenbrand, DNA-Schäden, Hautalterung usw.) geschützt. Durch die Kombination mit anderen Filtersubstanzen (lösliche organische UV-Filter) können besonders gute Lichtschutzwirkungen erzielt werden. Titandioxid in Sonnenschutzprodukten ist für das menschliche Auge unsichtbar, hinterlässt also keinen weißlichen Film auf der Haut.

10. Keratin
Keratine sind wasserunlösliche Proteine, die den Hauptbestandteil von Haut, Haaren und Nägeln bilden. Sie bestehen aus Aminosäureketten, die in Form von Fasern so miteinander verbunden sind, dass sie für ein hohes Maß an Stabilität sorgen. Haare und Nägel werden durch Keratine elastisch und belastbar. In kosmetischen Produkten können Keratine (INCI: Keratin) auch von außen der Haut und den Haaren als Pflege zugeführt werden. Als Inhaltsstoff in Haarkosmetikprodukten helfen sie beispielsweise dabei, die Haarstruktur zu festigen und wieder aufzubauen. Sie bewirken, dass das Haar leichter kämmbar, geschmeidig, weich und glänzend wird. Außerdem verleihen sie dem Haar mehr Volumen. In kosmetischen Hautpflegeprodukten bewahren Keratine die Feuchtigkeit der Haut und sorgen für eine glatte und weiche Hautoberfläche.

„Es ist nicht genug zu wissen – man muss auch anwenden.“ Johann Wolfgang von Goethe

Dass man das nicht alles im Kopf hat und abruft, wenn man im Laden vor dem Kosmetikregal steht, ist klar. Deshalb gibt es jetzt die neue Verbraucher-App COSMILE, die schnell einen Überblick verschafft, welche Inhaltsstoffe in Euren kosmetischen Produkten enthalten sind. Gerade für Menschen mit Unverträglichkeiten ist die App hilfreich, weil sie leicht erkennen können, ob Stoffe in einem Produkt enthalten sind, auf die sie möglicherweise allergisch reagieren. Es können auch einzelne Stoffe oder Stoffgruppen individuell vorgemerkt werden, wodurch die App personalisiert wird.

Damit hat man auch eine Erinnerung, welche Produkte einem bereits gefallen haben und man erfährt, ob sich die Inhaltsstoffe in einem der Produkte geändert haben.

Und so wird es gemacht:

– Die App herunterladen

– Den Strichcode des Produkts einscannen

– Sich alle Inhaltsstoffe anzeigen lassen, die in dem Produkt enthalten sind. Zu jedem Stoff erhält man eine kompakte Beschreibung sowie eine Erläuterung der Funktionen in den Kosmetikprodukten.

So ist die INCI (International Nomenclature of Cosmetic Ingredients)-Liste kein so großes Mysterium mehr und schafft das nötige Bewusstsein, sich für die richtigen Produkte zu entscheiden. Die COSMILE-App ist kostenfrei und kommt ohne nervige Werbung. Sie wird sowohl für iPhones und iPads im Apple App Store als auch bei Google Play für Android-Smartphones zum Download angeboten.

Hier sind auch alle Marken aufgelistet, zu denen bereits Produktinformationen zur Verfügung stehen und es kommen ständig neue Marken und Produkte hinzu. Wer noch mehr in die Tiefe bezüglich einzelner Inhaltsstoffe gehen will, der wird auf Wunsch direkt zur haut.de-INCI-Datenbank weitergeleitet. Hier gibt es weitere Details rund um die Verwendung der Stoffe in den Kosmetikprodukten und für viele Stoffe auch Links zu wissenschaftlichen Bewertungen.

Und nun wünsche ich Euch weiterhin viel Freude mit Euren Reinigungsprodukten, Peelings, Masken, Cremes und Seren.



Veröffentlicht am
11. September 2019



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