Kleine Fluchten: Ein Tag ohne Handy

Der Tag ohne Handy

In der heutigen Zeit gar nicht so leicht. Einen ganzen Tag komplettes Handyverbot. Was so alles dazugehört, merkt man erst, wenn man den Tag ohne Handy ausprobiert… Ich erhoffte mir Entspannung, doch es kam irgendwie anders.

Der Tag ohne Handy

8.00: Pieppieppieppiep! Pieppieppieppiep! Ahhhhhhh! Fies! Mein uralter Wecker musste wieder seinen Dienst antreten. Wo ist nur der sanfte Harfenklang des Handys hin?

8.17: Ups, noch mal eingeschlafen. Die Snooze-Funktion fehlt. Das fängt ja toll an.

8.21: Hm, Mist. Keine Musik im Bad.

9.15: Endlich auf dem Weg zur Arbeit. Ohne Ablenkung schaut man sich endlich mal wieder die Leute genau an. Welche Variante da besser ist, muss ich mir erst noch überlegen. Gruselig. Normalerweise checke ich in dieser Zeit zum ersten Mal meine Mails oder schaue bei Facebook rein. Darauf verzichte ich heute.

9.37: Bei der Arbeit angekommen, schalte ich den Rechner an und habe heute zum ersten Mal Kontakt zur vernetzten Welt.

12.19: Was? Schon so spät? Ich habe durchgearbeitet, ohne mich ablenken zu lassen. Wann ist das denn zum letzten Mal passiert? Sonst sehe ich immer zwischendurch auf mein Telefon. Irgendjemand schreibt ja immer oder ruft an. Heute nicht. Eigentlich auch mal ganz gut. So schön ruhig.

13.35: Meine Verabredung zum Lunch ist spät dran. Ich warte am Treffpunkt und niemand kommt. Hm. Nervt. Anrufen geht nicht, Nachricht schreiben ebenfalls. Jetzt gerade hasse ich es, dass mein Handy ausgeschaltet zuhause liegt.

13.39: Ah, da ist sie. Ein paar Minuten Warten bringen mich zwar nicht um, aber entspannt bin ich auch nicht. Naja, die Mittagspause wird hoffentlich locker.

14.32: Zurück bei der Arbeit.

15.48: Oh nein! Termin vergessen und die Nummer steht im Handy. Ärgerlich! Ok, dann halt ne Entschuldigungs-Mail. So was Blödes.

16.05: Zwischenfazit – eigentlich sollte mich dieser Tag etwas lockerer machen. Aber das Gegenteil ist der Fall. Ständig fallen mir Dinge ein, die ich nur im Handy gespeichert habe. Termine, Nummern, Notizen – an all das komme ich heute nicht ran.

17.43: Ok, ich habe mich wieder beruhigt und sehe den Tag jetzt easy. Schließlich habe ich es ja bald geschafft.

18.15: Nichts da, es nervt mich schon wieder. Terminabsprachen funktionieren nicht, ich kann nicht telefonieren und denke ständig daran, dass bestimmt schon ganz schön viele Leute versucht haben, mich zu erreichen.

19.06: Feierabend. Schnell zu Bahn und dann aufs Sofa! Wann fährt noch mal die Nächste? Könnte am Rechner gucken, aber der ist schon aus. Egal.

19.11: Bahn verpasst, weil ich getrödelt habe.

19.16: Die nächste Bahn ist da. Rein und ab nach Hause. Erst jetzt fällt mir auf, dass fast alle Leute mit ihrem Handy rumspielen. Sie hören Musik, telefonieren, schreiben Nachrichten, spielen. Oh Gott, ist das unkommunikativ. Naja, aber wann unterhält man sich in der Bahn schon mit fremden Menschen. Also: egal.

19.49: Zuhause. Auf der Kommode liegt mein Handy. Ausgeschaltet. Schwarz. Vermisse ich es eigentlich? Ja, ganz schön. Wenn ich allein daran denke, wie viel Zeit ich am Tag damit verbringe, darin etwas nachzuschauen oder damit zu arbeiten. Ich habe es wirklich oft in der Hand. Heute habe ich gemerkt, dass ich nur noch schwer darauf verzichten kann, es ist einfach zu praktisch, alles in einem Gerät vereint zu haben.

20.15: Essen kochen und dann gemütlich mit meinem Freund zusammensitzen und quatschen. Alles um sich rum vergessen und an nichts Technisches denken. Sehr gut. Jetzt fällt es mir sogar leicht, meine vernetzte Freiheit mal links liegen zu lassen.

23.27: Ab ins Bett. Morgen stehe ich noch mal mit dem qualvollen Weckerton auf und nehme mir vor, dann direkt aufzustehen. Habe ich schon ewig nicht mehr gemacht. Wann genau ich das Handy wieder anmache, habe ich mir noch gar nicht überlegt. Ich tippe auf 8:02. Es ist einfach zu praktisch!

Wie oft ich diesen Selbstversuch von nun an wiederhole? Am liebsten nur im Urlaub oder am Wochenende. Wenn ich weiß, dass ich keine Termine habe, nicht mal zwischendurch eine Mail schreiben muss oder Angst habe, etwas zu vergessen. Dann stelle ich mir den Tag ohne Handy wirklich entspannend vor!

Bild: Beautydelicious Ein Tag ohne Handy



Veröffentlicht am
17. Januar 2014



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