Mit Kräutern Körper und Geist stärken

Kräuter

Bild: iStock/Nikolay Donetsk

Wie immer, wenn Vollmond ist, bekomme ich kaum Schlaf. Ich bin dann voller Energie und mein Tatendrang ist sehr ausgeprägt. Beim letzten Vollmond im Februar habe ich die Nacht genutzt, um in der ARD Mediathek zum Thema Kräuter zu stöbern und bin dabei auf den Beitrag „Die Kräuterhexe von Horsbüll“ gestoßen. Der war so meditativ, dass ich eingeschlafen bin. Am nächsten Morgen bin ich trotz der kurzen Schlafphase erholt aufgewacht. An den Beitrag konnte ich mich allerdings nur noch verschwommen erinnern. Fast vier Wochen später bin ich sehr früh aufgewacht und erinnerte mich plötzlich wieder an die Sendung, und dieses Mal habe ich sie bis zum Ende geschaut. Voller Begeisterung habe ich sofort die Protagonistin Marion Wick angeschrieben und sie gefragt, wie man mit Kräutern sein Immunsystem stärken und etwas für die mentale Gesundheit tun kann. Hier ihre Tipps:

Virenabweisend und fit im Kopf – so möchte man in diesen Zeiten gerne sein. Die Natur bietet gerade im Frühling ziemlich viel, um dieses Ziel zu erreichen oder ihm zumindest nahezukommen. Der Frühling beschert uns viele immunstärkende Kräuter, denn Wind, Sonne und niedrige Temperaturen fordern Pflanzen heraus, viel Vitamin C und andere Antioxidantien zu produzieren. So ein richtiger Immunbooster ist zum Beispiel das Gundelkraut. Die kleine kriechende Pflanze, die später blaue Blüten trägt, ist eher als nervendes Beikraut auf eher ungepflegten Rasenflächen und Beeten bekannt. Sie wirkt so stark, dass sie mitunter durchaus in der Lage sein kann, eine beginnende Erkältung zu stoppen, wenn man eine Handvoll isst, sobald das erste Kratzen im Hals auftritt. Leider schmeckt sie nicht wirklich lecker.

Das tun aber einige andere wilde Frühlingskräuter, die gut in den Salat oder Smoothie wandern können und den Abwehrkräften Gutes tun. Da wäre zum Beispiel die Knoblauchrauke, ein um diese Zeit häufiges Gewächs in Hecken und an Waldrändern. Sie ist eine wilde Verwandte der Rucola und schmeckt wie eine Mischung aus Knoblauch und Kresse, wobei das Knoblaucharoma überwiegt, solange es noch relativ kalt ist. Je wärmer es wird, desto kressiger schmeckt das Kraut. Einige wenige Menschen können einen starken Bitterstoff in der Pflanze wahrnehmen und werden das Gewächs deswegen als ungenießbar einstufen, den meisten schmeckt sie jedoch gut.

Ebenfalls gut schmecken Gänseblümchenrosetten, nämlich wie knackiger Feldsalat. Auch die Blüten kann man essen, sie sind jedoch ziemlich bröselig. Bärlauch aus dem Wald ist ebenfalls ein Segen fürs Immunsystem, er enthält außerdem auch einen antibiotischen Wirkstoff, was ihn zur perfekten Heil-Salatpflanze werden lässt, wenn man einen bakteriellen Infekt hat.
Zusammen mit Knoblauchrauke ergibt er ein fetziges Frühlingspesto. Einfach beide zusammen mit Olivenöl pürieren, das Püree mit gemahlenen Mandeln zur gewünschten Konsistenz bringen und mit Pfeffer und Salz abschmecken.

Frische Gierschblättchen findet man derzeit auch überall. Man erkennt sie übrigens an ihren dreieckigen Stängeln. Giersch enthält viel Vitamin C und auch Betacarotin. Er schmeckt im jungen Zustand wie eine Mischung aus Petersilie und Karotten und kann einfach feingehackt über Speisen gestreut werden. Später wird sein Geschmack stärker wie Sellerie und er kann dann gut als Suppengrün dienen. Zusammen mit jungen Brennnesseln ist er auch toll als Spinat. Einfach die kleingeschnittenen Blätter der beiden Pflanzen zusammen mit Butter, Salz und Knoblauch in einen Topf geben und unter Rühren zusammenfallen lassen. Zur Schonung der Inhaltsstoffe nicht lange drauf herum kochen. Dieser Spinat schmeckt auch gut in Teigtaschen, mit Feta oder Tofu, wobei man ihn noch mit jungen Birkenblättern würzen kann.

Junge Birkenblätter sind auch die Basis für ein fitmachendes, reinigendes Getränk, das Birkenbier.Dazu ein Gefäß locker mit jungen Birkenblättern füllen, pro Liter ein bis zwei gut gefüllte EL Honig dazugeben mit lauwarmem Wasser aufgießen bis es fast voll ist. Dann einen TL Hefe frisch oder granuliert in einer halben Tasse Apfelsaft auflösen und dazugeben. Ca. 8-12 Stunden fermentieren lassen. Ergibt ein leicht alkoholisches, sprudelndes Getränk, das den ganzen Körper erfrischt und gut für eine gesunde Darmflora ist.

Dem genervten Geist hilft Baldrian, dessen junger Austrieb jetzt an feuchten Stellen zu finden ist. Er kann wie sein Verwandter, der Feldsalat, verwendet werden. Auch die Melisse kommt an eher frischen Bodenstellen vor, aber auch oft verwildet in Gärten. Sie ergibt einen beruhigenden Tee oder kann als Badezusatz dienen. Gegen zu viel Grübeln vor dem Einschlafen hilft Lavendeltee. Da das mediterrane Kraut bei uns eher wenig Wirkstoff entwickelt, lohnt sich hier der Gang zum Apotheker.

Marion Wick, „Kräuterhexe“, Tiefenökologin und Permakulturgestalterin aus Nordfriesland vermittelt seit mehr als 30 Jahren Naturwissen in Seminaren und auf (Watt)Wanderungen, gestaltet Gärten, Hinterhöfe und Balkons für Selbstversorger und Naturfreunde in Norddeutschland und auch darüber hinaus. Sie schreibt Bücher und Artikel meist zu Naturthemen und bietet Fortbildungen für verschiedene Berufsgruppen an.

Wer sich mehr in das Thema reinlesen möchte, dem empfehle ich ihr Buch: „Wildpflanzen in der Naturküche“.

Dieser Beitrag enthält werbliche Inhalte in Form von Markenerwähnung und Verlinkungen.



Veröffentlicht am
8. Mai 2020



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