Wissenswertes über ätherische Öle

Ätherische Öle_BeautyDelicious

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Ätherische Öle begleiten mich schon seit meiner Jugend. Mein Interesse daran wurde geweckt, als damals der erste und einzige esoterische Buchladen in der Stadt eröffnet wurde. Der bot nicht nur spannende Leselektüre an, sondern auch eine große Auswahl an ätherischen Ölen. Die Besitzerin nahm sich immer wieder die Zeit, um mir das Thema näherzubringen. Als ich älter wurde, verlor ich allerdings das Interesse daran (wisst ja, Jungs, Parties etc.) und hatte nur noch Teebaumöl in Gebrauch. Aber seit ein paar Jahren ist meine Begeisterung wieder entflammt und meine Range an Ölen wächst stetig. Liegt wohl auch daran, dass in der Beauty- und Wellnessbranche ätherische Öle eine größere Rolle spielen und ich nun öfters in den Genuss von Gesichts- und Körperbehandlungen auf Basis der Aromatherapie komme. Kein Wunder bei den Benefits, die man daraus ziehen kann. Zeit also, um Anusati Thumm, international tätige Seminarleiterin der PRIMAVERA AKADEMIE, Fachbereich Aromatherapie und Aromakunde, zu dem Thema ätherische Öle bzw. Aromatherapie zu interviewen.

BeautyDelicious: Was ist die Aromatherapie und wie kommt sie zum Einsatz?

Anusati Thumm: Die Aromatherapie bezeichnet streng genommen die medizinisch-therapeutische Anwendung ätherischer Öle, die nur von Ärzten und Heilpraktikern durchgeführt werden darf. Im allgemeinen Sprachgebrauch versteht man darunter allerdings die Verwendung ätherischer Öle im täglichen Leben, vor allem zur Raumbeduftung in der Duftlampe oder zur Verwendung in Körperölen. Bei der Körperanwendung kommen auch Pflanzenwässer und Bio-Pflegeöle zum Einsatz, die ebenfalls der Aromatherapie zuzuordnen sind.

BeautyDelicious: Ist Aromatherapeut*in ein anerkannter Beruf?

Anusati Thumm: Nur in England, in Deutschland nicht.

BeautyDelicious: Was ist der Unterschied zwischen Aromapflege und Aromatherapie?

Aromapflege ist die Anwendung ätherischer Öle in der professionellen und häuslichen Pflege. Ätherische Öle kommen immer häufiger in Kombination mit fetten kaltgepressten Pflanzenölen als Einreibung, Waschungen und Kompressen zum Einsatz. Auch Pflanzenwässer, die als Nebenprodukt bei der Destillation entstehen, werden sehr geschätzt. Für Fachpersonal gibt es berufsbegleitende Aromapflege-Fortbildungen, die hier entsprechendes Know-how vermitteln.

BeautyDelicious: Was bedeutet „ätherisch“ bei den Ölen?

Anusati Thumm: Das Wort ätherisch leitet sich von himmlisch ab, was auf die Flüchtigkeit ätherischer Öle hinweist. Hier unterscheiden wir verschiedene Flüchtigkeitsstufen. Man denke hier an die Musik: die sog. Kopfnoten sind sehr flüchtig, verfliegen schnell. Das sind z. B. Zitrusdüfte. Die Herznoten sprechen direkt unsere Emotionen an, Blütendüfte gehören in diese Kategorie. Diese Düfte halten länger. Ganz tief unten, der Name sagt es schon, sind die Basisnoten. Das sind z. B. Harze und Wurzeln, deren Duft sich entfalten muss und auch lange anhält. Ätherische Öle sind also keine fetten Pflanzenöle, die wir als Lebensmittel kennen, sondern die flüchtigen Duftstoffe der Pflanzen. Chemisch betrachtet, handelt es sich um sehr komplexe Vielstoffgemische, die starke Wirkungen haben.

BeautyDelicious: Gibt es verschiedene Wirkweisen bei ätherischen Ölen?

Anusati Thumm: Ätherische Öle wirken sowohl über die Haut als auch über den Riechsinn. Da ätherische Öle über die Haut und den Blutkreislauf in unseren Organismus gelangen, entfalten sie im Körper mannigfaltige Wirkungen (z. B. hautregenerierende, schmerzlindernde, durchblutungsfördernde, krampflösende etc). Gleichzeitig unterstützt das Riechen der Düfte das Wohlbefinden. Manche Öle fördern die Konzentration und aktivieren uns, andere beruhigen und entspannen uns.

BeautyDelicious: Wie werden die ätherischen Öle gewonnen?

Anusati Thumm: 85 % aller ätherischen Öle werden durch die sog. Wasserdampfdestillation gewonnen. Ganz einfach beschrieben geht das so: Das Pflanzenmaterial kommt in ein großes Behältnis mit Wasser, das erhitzt wird. Der Wasserdampf löst das ätherische Öl aus den Pflanzen. Als Nebenprodukt entsteht das Pflanzenwasser, auch Hydrolat genannt, das ebenfalls wertvolle Wirkstoffe enthält. Das Destillieren erfordert eine hohe Kompetenz. Jede Pflanze hat individuelle Eigenschaften, die sorgsam beim Destillationsvorgang und der -dauer berücksichtigt werden müssen. Nur so kann die beste Qualität des jeweiligen ätherischen Öls entstehen. Bei den Zitrusdüften wie z. B. Orange, Mandarine oder Limette werden die ätherischen Öle aus den Zitrusschalen durch Kaltpressung extrahiert. Viele Blütendüfte werden durch spezielle Auszugsverfahren mit Lösungsmitteln wie Alkohol hergestellt, das nennt man dann Extraktion.

BeautyDelicious: Wie ist die Dosierungsempfehlung für ätherische Öle?

Anusati Thumm: Das hängt davon ab, wie man die ätherischen Öle anwenden möchte. Für die Raumbeduftung kann man eine Duftlampe, einen Vernebler oder Duftstein verwenden. Je nach Größe des Raums gilt als Faustregel und Duftauswahl fünf bis zehn Tropfen. Düfte wirken auch an der Wahrnehmungsgrenze. Das heißt: Weniger ist mehr. Dosierungsempfehlungen finden sich bei Qualitätsprodukten, die ordnungsgemäß deklariert sind, auf den Fläschchen. Für eine kosmetische Hautanwendung dürfen ätherische Öle nie pur angewendet werden, sondern immer in Kombination mit einem Trägeröl, wie z. B. Mandelöl. Für eine Wohlfühleinreibung nimmt man z. B. maximal zehn Tropfen auf 50 ml Trägeröl bei Erwachsenen. Für ein Aromabad benötigt man zusätzlich einen Emulgator, denn ätherische Öle sind nicht wasserlöslich, sodass sie ohne Emulgator auf der Wasseroberfläche schwimmen. Um das zu vermeiden, nimmt man z. B. zwei EL Sahne oder eine Handvoll Meersalz. Für ein Vollbad gilt die Faustregel fünf bis zehn Tropfen, bei einem Fußbad entsprechend weniger, hier drei bis fünf Tropfen.

BeautyDelicious: Warum sind so kleine Mengen so kostenintensiv?

Anusati Thumm: Die Menge des Pflanzenmaterials, die wir zur Herstellung eines ätherischen Öls benötigen, bestimmt den Preis des Öls. Beispiele: Für einen Liter Lavendelöl benötigen die Bauern in der Provence ca. 160 kg Pflanzenmaterial, für einen Liter Rosenöl 5000 kg Rosenblüten. Bei der Verarbeitung sind zudem ganz viel Know-how und kleinteilige Handarbeit erforderlich, um diese hochwirksamen Kostbarkeiten herzustellen. Unsere Teilnehmer*innen auf den Duftreisen sind immer sehr beeindruckt von den Schätzen der Natur, wenn sie vor Ort sehen, wie aufwändig diese Abläufe von der Ernte bis zum Fläschchen im Regal sind. Es sind Kostbarkeiten der Natur!

BeautyDelicious: Wie kann ich als Laie gute und schlechte Qualität unterscheiden? Wie kommen die teils massiven Preisunterschiede der verschiedenen Anbieter zustande?

Anusati Thumm: Wichtige Qualitätsmerkmale sollten sich auf dem Etikett des Öls befinden: Der botanische Name, Herkunftsland, Gewinnungsverfahren, Bezeichnung der Pflanzenteile und evtl. auch die Verdünnung. Der direkte Kontakt zu Anbaupartnern, Bioanbau und die Unterstützung bzw. der Erhalt kleinbäuerlicher Strukturen sind ganz wichtige Qualitätsmerkmale der komplexen Wertschöpfungskette. Nur so entstehen wahrlich unverfälschte Naturprodukte, deren Wert der Kunde nachvollziehen können sollte. Qualitätsprodukte zeichnen sich auch dadurch aus, dass eine Pflanze dort am besten gedeiht, wo sie ihren Ursprung hat. Infolgedessen ist auch ihre Ölqualität am hochwertigsten, was sich wiederum auf die Wirkung auszahlt. Durch konsequent nachhaltiges Wirtschaften und Transparenz in allen einzelnen Liefer- und Produktionsschritten entstehen bei den Kunden*innen Vertrauen und Markenbindung. Leider tummeln sich heutzutage auch schwarze Schafe in diesem hochkomplexen, mittlerweile hochattraktiven Feld: Schnelles Geldverdienen und Greenwashing sind dann leider die Triebfedern.

PRIMAVERA_Anusati Thumm

BeautyDelicious: Was sind die fünf Must-have-Öle und wofür sind die gut?

Anusati Thumm: Teebaum bei Herpes, Fußpilz und Erkältungsprophylaxe.

Lavendel ist ein wahrer Alleskönner, z. B. für kleinere Blessuren und Wunden, bei Juckreiz, zur Beruhigung und Schlafförderung. Dies ist eines der wenigen ätherischen Öle, die tatsächlich pur zur Anwendung kommen dürfen. Sonst immer mit einem Trägeröl mischen.

Pfefferminze ist bewährt bei Kopfschmerzen, der Duft bringt sofort Erfrischung, bei Insektenstichen ebenfalls sehr wirkungsvoll zur Kühlung. Hier kann man ausnahmsweise auch pur einen Tropfen auftragen.

Orange zur Stimmungsverbesserung, bei Übelkeit, dieser Duft bringt sofort den Sonnenschein ins Herz und wird von Jung und Alt, Männern, Frauen und Kindern gleichermaßen geliebt. Ein paar Tropfen auf ein Papiertaschentuch, bewusst schnuppern – und schon verfliegen trübe Gedanken.

Zirbelkiefer empfiehlt sich zur Stärkung, gerade in Zeiten großer Herausforderungen, wo wir fest verwurzelt mit beiden Füßen auf der Erde bleiben wollen, aber auch bei Erkältung und um schlechte Gerüche zu vertreiben. Im besten Fall gilt es, stets Bio-Qualität wählen und bei der Hautanwendung ein naturreines Bio-Trägeröl verwenden. Bei Qualitätsprodukten finden sich Anwendungs- und Dosierungsempfehlungen auf dem Etikett.

BeautyDelicious: Gibt es wissenschaftliche Studien zur Wirkung der Öle?

Anusati Thumm: Ja, viel mehr als man denkt. Lavendel und Orange sind sehr gut untersucht. So konnte man z. B. nachweisen, dass ätherisches Lavendelöl als Raumbeduftung deutlich stressreduzierend wirkt. Bei geriatrischen Patienten konnten Unruhezustände gemindert werden, was letztlich auch dem Pflegepersonal zugute kam. Eine deutsche Zahnarztstudie belegt, dass eine dezente Raumbeduftung mit diesen beiden ätherischen Ölen im Wartezimmer bei Angstpatienten sehr gut wirkte. Auch hier konnten alle Beteiligten davon profitieren. Aber auch zu anderen ätherischen Ölen ist die Studienlage mittlerweile sehr gut. Es gibt umfängliche Literatur, die auch für interessierte Laien verständlich ist.

BeautyDelicious: Gibt es ein Haltbarkeitsdatum?

Anusati Thumm: Auch hier finden sich, wenn ordnungsgemäß deklariert, entsprechende Hinweise direkt auf den Fläschchen. Grundsätzlich kann man sagen: Je nach Öl ist es nach dem Öffnen der Flasche sechs Monate bis drei Jahre haltbar. Zitrusdüfte oxidieren besonders schnell, wenn sie mit Sauerstoff in Berührung kommen. Andere wiederum reifen wie guter Wein, je länger sie lagern, z. B. Vetiver. Dies wird in der Parfümindustrie sehr geschätzt und gilt als wahre Kostbarkeit.

BeautyDelicious: Kann ich die Öle auch einnehmen?

Anusati Thumm: Eine medizinische Einnahme sollte stets von einem erfahrenden Therapeuten verordnet werden. Das gehört absolut in Profi-Hände.

Können Öle auch zum Kochen/Backen verwendet werden?

Anusati Thumm: Ätherische Öle können in der sog. Aromaküche eingesetzt werden. Hierzu muss man wissen, dass der Hersteller diese ätherischen Öle über das Lebensmittelgesetz deklarieren muss. Nur dann darf er sie zur Verfeinerung von Speisen ausloben

BeautyDelicious: Kann man die Öle statt Parfum tragen?

Anusati Thumm: Ja. Man kann sich naturreine, eigene Parfumkreationen herstellen und entweder Öl oder Alkohol als Träger verwenden.

BeautyDelicious: Ich mag keine Duftlampen, wie kann man die Öle trotzdem verwenden?

Anusati Thumm: Es gibt verschiedene Anwendungsmöglichkeiten: Auf Riechtüchern, als Riechsalz, im Körperöl, als Parfum, in der Badewanne. Nachdem die Aromatherapie ein absolutes Trendthema ist, gibt es entsprechende Literatur bzw. Anwendungstipps bei seriösen Aromatherapie-Anbietern. Wie erwähnt, muss beim Selbstmischen das richtige Mischverhältnis beachtet werden. Siehe Frage 7.

BeautyDelicious: Gibt es einen Trick, das Öl noch wirksamer zu machen?

Anusati Thumm: Bestimmte Wirk- und Duftprofile ergänzen sich ideal. Dies wird bei der Entwicklung gebrauchsfertiger Duftmischungen berücksichtigt. Die Rezeptur besteht dann aus ätherischen Ölen, die besonders gut zusammenpassen bzw. sich ergänzen. Zum Beispiel kann man bei Fußpilz Teebaum mit Lavendel kombinieren und so die Wirkung verstärken. Aber auch das Trägeröl kann die Wirksamkeit erhöhen. So gibt es gute Erfahrungen mit Lavendel und Johanniskrautöl bei strapazierten Gelenken. Es gibt bestimmte ätherische Öle, die die Geister spalten, weil sie sehr intensiv und eigenwillig duften, gleichwohl aber eine hohe Wirksamkeit haben. Diesen Duft kann man „verpacken“, indem man andere ätherische Öle dazu nimmt.

BeautyDelicious: Muss ich bei der Lagerung etwas beachten?

Anusati Thumm: Grundsätzlich sollen Aromatherapie-Produkte kühl (aber nicht im Kühlschrank) und lichtgeschützt aufbewahrt werden. Damit sie so wenig wie möglich mit Sauerstoff in Berührung kommen und nicht oxidieren, empfiehlt sich auch das schnelle Verschließen nach dem Öffnen.

BeautyDelicious: Kann ich Öle auch für Kinder und Tiere verwenden?

Anusati Thumm: Ja, aber es gelten bei Kindern und Tieren andere Dosierungsempfehlungen. Bitte auf jeweilige Empfehlungen in der Literatur etc. achten. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl gebrauchsfertiger Duftmischungen und Produktvarianten für Kinder. Ob Erkältung, Angst vor dem ersten Kindergartentag oder die leidigen Hausaufgaben – mit dem richtigen Duft in der Luft kann hier unterstützt werden.

BeautyDelicious: Wo kann ich etwas über die Öle und den Umgang damit lernen?

Anusati Thumm: Es gibt mittlerweile sehr praxisorientierte Lifestyle-Ratgeber zum Thema oder auch Online-Kurse, die kurzweilig und fundiert Wissen vermitteln. Interessierten Anwender*innen bieten auch Webinare eine gute Einstiegsmöglichkeit. Diese sind oft kostenfrei. Wer sich im Profi-Bereich weiterbilden möchte, kann auf ein breites Angebot von Seminaren und Workshops zugreifen. Wichtig ist hier, dass die Referent*innen ebenfalls aus der Praxis kommen und eine entsprechende Expertise aufweisen. Auch berufsbegleitende Fortbildungen zum/r „Aromaexperten/in“ sind möglich. Die PRIMAVERA AKADEMIE beispielsweise bietet mit rund 300 Unterrichtseinheiten, Facharbeit und Abschlussprüfung eine hochkarätige Fortbildungsmöglichkeit.

BeautyDelicious: Liebe Frau Thumm, vielen Dank für das interessante und informative Interview.

Dieser Beitrag enthält werbliche Inhalte in Form von Markenerwähnung und Verlinkungen.



Veröffentlicht am
18. Juni 2020



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